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Geistlicher Impuls
Staunen heißt, die Welt als Wunder sehen.
 

Morgenandacht
von Prof. Harald Wagner



Menschliches Leben braucht Sinn



Vertreter des Christentums haben sich früher manchmal gegen die Technik gewandt, weil sie meinten, wenn der Mensch sozusagen fast alles selber macht, dann würde das die Größe Gottes schmälern. Das Gegenteil ist richtig. Gott will, dass der Mensch die Welt mit ihren Gesetzen erforscht und diese Gesetze anwendet für ein menschenwürdiges Leben auf dieser Erde. Das ist gemeint, wenn Gott, der Schöpfer, zu Beginn der Bibel spricht: "Macht euch die Erde untertan."

Gottes Schöpfung bewahren

Sorgsam soll der Mensch mit Gottes Schöpfung umgehen, soll sie pflegen und bewahren. Er soll immer daran denken, dass er gewissermaßen im Auftrag Gottes, als Statthalter Gottes handelt. Der Einsatz der Technik ist aber nur sinnvoll, wenn sie dem Menschen hilft, sein Leben in Würde zu führen und mit Sinn zu füllen. Eine Technik, die nur um sich kreist, die einfach alles mal ausprobiert, ob das für den Menschen und seine Welt nützlich ist, kann dem Menschen schaden, ihn im wahrsten Sinn des Wortes die Luft zum Atmen nehmen. Man denke an verschiedene Möglichkeiten der Atomtechnik oder an die Zerstörung von Klima und Umwelt.

Menschliches Leben braucht Sinn, und solcher Sinn kommt nicht allein aus der Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, kommt nicht allein aus der Technik, so nützlich und hilfreich diese für den Menschen sein können. "Der Sinn des Lebens ist ein Leben mit Sinn", las ich bei einem englischen Schriftsteller.

Leben mit Sinn kann nicht darin bestehen, dass ich die Gesetze der Natur hemmungs- und verantwortungslos einsetze und ausnutze, sondern dass ich zunächst einmal staunen lerne über die großartige Schöpfung. "Wer staunt, hat mehr von der Welt begriffen, als wer sie klassifiziert", schreibt eine österreichische Schriftstellerin.

Über Gottes Wege staunen

Staunen heißt, die Welt als Wunder sehen. Wer staunt angesichts der Welt und ihres Schöpfers, dem ist die Erforschung der Naturgesetze keineswegs verboten, aber er gelangt zur Ehrfurcht vor dem Leben und zur Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer. Dieses Staunen verbindet sich mit der Überzeugung, dass Gott für sein Geschöpf ein wunderbares Haus geschaffen hat, eben die Welt, und dass er sich um den Menschen kümmert. Staunen begleitet den Weg der Religion, den Weg des Glaubens. Nicht die Naturgesetze sind unerklärlich – wir vermögen sie ja immer tiefer zu erkennen und zu erforschen –, sondern ganz unvorstellbar, unerklärlich ist es, dass Gott sich so seiner Geschöpfe annimmt. So sagt es uns die Bibel. Im Psalm 19 heißt es: "Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, vom Werk seiner Hände kündet das Firmament. Ein Tag sagt es dem anderen, eine Nacht tut es der anderen kund ohne Worte und ohne Reden, unhörbar bleibt ihre Stimme. Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus..." Wer es lernt, angesichts der Schöpfung zu staunen, der kann auch in Leid oder im Glück, Gott wahrnehmen, der kann über Gottes Wege auch in seinem ganz persönlichen Leben staunen.

Gottes Sorge für die Menschen

Die Welt, die aus der Liebe Gottes zum Menschen entstanden ist, fällt auch niemals aus der Hand Gottes heraus. Und der Mensch mit seinem einmaligen, unverwechselbaren Leben fällt nicht aus der Hand Gottes heraus. Wie Gott der Welt Gesetze vorgegeben und eingestiftet hat, so hat er auch dem einzelnen Menschenleben Wege und Wegzeichen vorgegeben, unbeschadet der Freiheit des Menschen.

In Psalm 91 heißt es: "Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. Sie tragen dich auf ihren Händen, damit dein Fuß nicht an einem Stein stößt." Das Wissen um Gottes Sorge für den Menschen, die sich in der ganzen Schöpfung zeigt, kann mir immer wieder Halt und Sicherheit in der Geschichte meines Lebens geben.

Text: Prof. Harald Wagner/Foto: Michael Bönte, 30.03.05

Lesen Sie außerdem den Impuls:
- Der Tod ist überwunden
- Es lohnt sich, zu leben

Lesen Sie weitere Impulse zur Kar- und Osterzeit...



 
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  Redaktion: Petra Helmers, kirchensite.de
letzte Änderung: 14.06.2006 08:50 Uhr
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