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![]() Bischofswort zur Fastenzeit 2005Liebe Schwestern und Brüder! I. 1. Am 30. März des Jahres 805 ist der heilige Liudger zum ersten Bischof von Münster geweiht worden. Wir können auf 1 200 Jahre der Kirche von Münster zurückschauen. "Eine Liebesgeschichte" - unter dieses Leitwort haben wir unser Jubiläum gestellt. Von Gott her ist es eine Geschichte der Liebe. Wie haben die Christen in den 1 200 Jahren diese Geschichte gelebt? Wir wissen um die Schatten unserer Geschichte. Es wäre unehrlich, die dunklen Blätter aus der Geschichte der Kirche herauszureißen. Wir haben Grund, in jeder Feier der heiligen Messe zu beten: "Herr, schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche." Trotz aller Schatten hat die Kirche von Münster den Glauben an Jesus Christus wach gehalten und durch die Jahrhunderte getragen. Es ist die Geschichte der ungezählten Menschen, die in Stille und Treue den Weg des Lebens gegangen sind. Es ist die Geschichte einer Kirche, in der Menschen in allen Jahrhunderten Kraft für ihr christliches Zeugnis gefunden haben. Es ist auch die Geschichte einer Kirche, in der Menschen in allen Jahrhunderten das Evangelium in überzeugender Weise gelebt haben, Menschen, die wir als Selige und als Heilige verehren. 2. Das Jubiläumsjahr lässt uns beten: "Barmherziger Gott, deine Kirche kann nicht bestehen ohne dich. Sie lebt allein von deiner Gnade. Reinige und festige sie und führe sie mit starker Hand" (Laudes am Montag in der 3. Fastenwoche). Ein Wort Martin Luthers macht uns Mut auf unserem Weg in die Zukunft. "Wir sind es doch nicht, die deine Kirche erhalten könnten. Unsere Väter sind es auch nicht gewesen. Unsere Nachkommen werden es auch nicht sein: Sondern er ist es gewesen, er ist es noch und wird es sein, der sagt: Ich bin bei euch bis an der Welt Ende." II. 1. In einem Gebet appellieren wir an das Gedächtnis Gottes: "Erinnere dich an deine Liebe! Erinnere dich an dein Volk! Erinnere dich an mich!" Wir erinnern uns an die Liebe Gottes in besonderer Weise in der Feier der Eucharistie. In ihr lebt das Gedächtnis seiner Liebe fort. "Oh Sakrament der Gottesgüte, Bild der Einheit, Band der Liebe": Mit diesen Worten feiert der heilige Augustinus das Sakrament der Eucharistie. 2. Unser Heiliger Vater, Papst Johannes Paul II., lädt uns ein, dieses Jahr als Jahr der Eucharistie zu feiern. Er beginnt sein Weltrundschreiben mit der Einladung: "Bleibe bei uns Herr, denn es will Abend werden." Mit diesen Worten luden die Jünger, die am Abend des ersten Ostertages auf dem Weg nach Emmaus waren, den Herrn, der sich auf dem Weg zu ihnen gesellt hatte und den sie nicht erkannten, ein, bei ihnen zu bleiben. Jesus ist auch mit uns auf dem Weg durch die Zeit. Er ist mit uns auf den Straßen unseres Fragens und unserer Unruhe, auch auf den Straßen des Zweifelns und der Enttäuschung. Gerade auch in unserer Zeit tief greifender Veränderungen bitten wir ihn: Bleibe bei uns, Herr! 3. Im Rückblick sagen die Emmaus-Jünger: "Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?" In der Feier der Eucharistie hören wir das Wort des Lebens. Jesus bleibt bei uns in seinem Wort. Es berührt unser Leben und erhellt es. 4. Die Emmaus-Jünger erkannten Jesus am Brechen des Brotes. Ausgehend von dieser Erfahrung der Emmaus-Jünger sagt der Papst: "Es besteht kein Zweifel, dass unter den verschiedenen Aspekten der Eucharistie jener des Gastmahls am meisten ins Auge fallt. Die Eucharistie entstand im Kontext des Paschamahles am Abend des Gründonnerstags. Daher ist ihrer Struktur die Bedeutung der Tischgemeinschaft eingeschrieben: "Nehmt und esst... Dann nahm er den Kelch... und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: 'Trinkt alle daraus' (Mt 26,26.27). Dieser Aspekt drückt die Gemeinschaftsbeziehung gut aus, die Gott mit uns aufnehmen will und die wir selbst untereinander entfalten müssen." Aber die Eucharistie ist nicht nur Gemeinschaft; sie ist mehr. Es "darf nicht vergessen werden, dass das Eucharistische Mahl auch und zuerst einen tiefen Opfercharakter besitzt. Christus legt uns darin das Opfer wieder vor, das er ein für alle Mal auf Golgatha dargebracht hat. Wenn er darin auch als Auferstandener gegenwärtig ist, so trägt er doch die Zeichen seines Leidens, zu dessen 'Gedächtnis' jede heilige Messe gefeiert wird. Daran erinnert uns die Liturgie in der Akklamation nach der Wandlung: 'Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir ...' Während die Eucharistie das Vergangene vergegenwärtigt, versetzt sie uns zugleich in die Zukunft der letzten Wiederkunft Christi am Ende der Geschichte. Dieser 'eschatologische' Aspekt verleiht dem eucharistischen Sakrament eine mitreißende Dynamik, die den christlichen Weg mit dem Schritt der Hoffnung ausstattet" (Nr. 15). Feiern -anbeten -betrachten: Der Papst regt an, unter diesem Dreiklang das Geheimnis der Eucharistie zu begehen. Er lädt uns ein, das Liturgische Jahr zu feiern und durch eine mystagogische Katechese die Bedeutung der Handlungen und Worte der Liturgie zu entfalten. Eine solche Katechese kann uns helfen "von den Zeichen zum Geheimnis zu gelangen und in dieses unser ganzes Dasein hineinzunehmen". Die Gegenwart Jesu im Sakrament lädt uns ein zur Anbetung. "Anbetung ist ein Akt des inneren Einverständnisses mit Gott. In der Anbetung bringen wir zum Ausdruck, dass wir im Geheimnis Gottes geborgen sind" (A. J. Heschel). In der Anbetung kann lebendig werden, was der Apostel Paulus uns ins Gedächtnis ruft: "Ihr habt Christus Jesus als Herrn angenommen. Darum lebt auch in ihm! Bleibt in ihm verwurzelt und auf ihn gegründet, und haltet an dem Glauben fest, in dem ihr unterrichtet wurdet. Hört nicht auf zu danken" (Kol 2,6-7). Thomas von Aquin, ein "Mystiker der Anbetung des Geheimnisses über alle Aussagbarkeit" (Karl Rahner) beginnt ein Lied, das zur Anbetung einlädt, mit den Worten: "Gottheit, tief verborgen, betend nahe ich dir." In der Anbetung tritt der Mensch "in das Geheimnis Gottes hinein, wo er nicht mehr begreift, sondern ergriffen wird" (Karl Rahner). Gott hat in seinem Sohn Jesus Christus ein menschliches Gesicht angenommen. Das Geheimnis Gottes schaut uns mit den Augen Jesu an. Unter seinem Blick dürfen wir mit den Worten des heiligen Thomas von Aquin sprechen: "Jesus, den verborgen jetzt mein Auge sieht, In Zeiten und Stunden der Anbetung erinnern wir uns an die Liebesgeschichte Gottes mit uns. Das Jubiläumsjahr soll uns Anlass sein, der Anregung des Heiligen Vaters zu folgen und in den einzelnen Pfarrgemeinden und Ordensgemeinschaften zu Zeiten und Stunden der Anbetung einzuladen. In der alten Kirche findet sich häufiger die bildhafte Aussage, dass die Kirche am Kreuz geboren wurde. In einem Gebet heißt es: "Gott, unser Vater, deine Kirche bringt dir diese Gaben dar, und feiert den Tod deines Sohnes, aus dessen Seitenwunde sie hervorgegangen ist. Lass sie ihren Ursprung nie vergessen, sondern in dieser Feier Leben und Heiligkeit erlangen." Die Kirche, auch die Kirche von Münster, verdankt ihr Dasein dem geöffneten Herzen des Herrn. Aus ihm, aus dem Geist, den er verheißen hat, kommt die Lebendigkeit ihres Wortes und die Kraft ihrer Sakramente. Es ist wichtig in einer Zeit, da alles planbar, machbar und organisierbar erscheint, sich auf diese innere Seite der Kirche zu besinnen. Die Kirche verdankt ihr Dasein dem geöffneten Herzen Jesu. Sie darf ihren Ursprung nie vergessen und muss dies auch in ihrem Leben sichtbar machen. Sie muss sich deshalb bemühen, Kirche mit Herz zu sein. Der Papst weist in seinem Wort zum Jahr der Eucharistie daraufhin, dass wir im Johannesevangelium anstelle des Einsetzungsberichtes der Eucharistie in den übrigen drei Evangelien den Bericht über die Fußwaschung finden. "Der heilige Paulus betont mit Nachdruck, dass eine Feier der Eucharistie nicht zulässig ist, wenn in ihr nicht die im konkreten Teilen mit den Ärmsten bezeugte Nächstenliebe aufleuchtet" (vgl. 1 Kor 11,17-22.27-34). Was der Papst zum Jahr der Eucharistie sagt, gilt auch für unser Jubiläumsjahr unter dem Leitwort "Eine Liebesgeschichte": "Warum sollte in diesem Jahr der Eucharistie nicht ein Zeitraum geschaffen werden, in dem die Diözesen und Pfarrgemeinden sich in besonderer Weise dafür einsetzen, dass jeder der vielen Armutserscheinungen in unserer Welt mit brüderlicher Anstrengung begegnet wird? Ich denke an das Drama des Hungers, der hundert Millionen Menschen quält, ich denke an die Krankheiten, welche die Entwicklungsländer geißeln, ich denke an die Einsamkeit vieler älterer Menschen, an die Beschwernisse der Arbeitslosen und an die Widrigkeiten, mit denen die Emigranten konfrontiert sind. Diese Übel kennzeichnen - wenn auch in unterschiedlichem Maße - selbst die reichen Länder. Wir können uns nicht täuschen: An der gegenseitigen Liebe und insbesondere an der Sorge für die Bedürftigen erkennt man uns als wahre Jünger Christi" (vgl. Joh 13,35; Mt 25,31-46) (Nr. 28). Wenn wir in diesem Geist unser Jubiläum unserem Leitwort entsprechend als "Eine Liebesgeschichte" feiern, dürfen wir Gott bitten: "Erinnere dich an deine Liebe. Erinnere dich an dein Volk. Erinnere dich an mich." Münster, den 13. Januar 2005 Liebe Schwestern und Brüder! Ihr Reinhard Lettmann |
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| Petra Helmers, kirchensite.de letzte Änderung: 21.09.2007 08:54 Uhr Home | Diözesanbibliothek | Aktuelles | Bistum Münster Fragen + Glauben | Wann + Wo | Service + Dialog | Sitemap | Impressum |
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