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Leonies Rosenkranz
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15 Kinder fanden sich in Dülmen-Hiddingsel zum Rosenkranzbasteln ein
Nach zehn Kastanien eine Perle
Dülmen. Wo bei anderen Mädchen Pferdeposter oder Bilder ihrer Lieblingsstars zu finden sind, da prangt bei der achtjährigen Carina aus Dülmen-Hiddingsel etwas Bemerkenswertes: ein Rosenkranz. Und ein ganz besonderer noch dazu. Rund einen Meter lang, mit 59 dicken Kastanien, Holzperlen und einem selbst gemachten Kreuz unten dran. "Was ich damit mache? Ich häng' mir den natürlich übers Bett!", sagt die dunkelblonde Grundschülerin spontan und wickelt sich die überdimensionale Perlenschnur um die Schultern.
Inzwischen hat Alina ihr "Prachtstück" fertig gestellt. Sie strahlt. Der umgehängte Rosenkranz reicht von ihrem Nacken bis auf den Fußboden. Ein Meter zwanzig. Rekord! Es ist eine ungewöhnliche Aktion, die an diesem Herbstnachmittag im Pfarrheim der Hiddingseler Kirchengemeinde St. Georg stattfindet. "Wir basteln und beten den Rosenkranz", so lautete der Titel des Angebotes, zu dem 15 Kinder gekommen sind.
Nicht dass die Initiatorinnen der Frauengemeinschaft, des Familienmesskreises und des Katecheseausschusses alle Hiddingseler Mädchen und Jungen zu Rosenkranz betenden Marienverehrern drängen wollten. "Aber als uns bei der Katechesearbeit aufgefallen ist, dass die Kinder praktisch nichts mehr vom Rosenkranz und dem traditionellen Rosenkranzgebet wissen, haben wir uns überlegt, diesen Nachmittag anzubieten", berichtet Mitinitiatorin Sabine Terlau.
Und dabei sind die engagierten Gemeindefrauen ganz und gar nicht dem Trend nachgelaufen. Im Gegenteil. Sabine Terlau: "Wir haben uns gerade auch deshalb dafür entschieden, die Thematik den Kindern nahe zu bringen, weil das Rosenkranzgebet heute eher out ist, und jeder denkt, das machen nur noch alte Mütterchen bei Beerdigungen." "Rosenkranzbasteln? - Rosenkranzbasteln!", dachten sich die Initiatorinnen, die den Kindern unter Mithilfe einiger Mütter die Hintergründe des Rosenkranzgebetes näher bringen und sie beim anschließenden Basteln unterstützen.
Da erfahren die acht- bis elfjährigen Teilnehmer in Geschichten und Bildern, dass der Rosenkranz eng verbunden ist mit dem Leben von Jesus und seiner Mutter Maria, und dass
die Rose ein zweifaches Symbol ist: "Ihre Schönheit steht für die Liebe und Zuneigung Marias zu Jesus und ihre Dornen verdeutlichen ihren Schmerz um seinen Tod am Kreuz, den er für uns Menschen auf sich genommen hat", erklärt Monika Domhöver.
Sabine Terlau und Monika Domhöver zeigen auf, dass der Rosenkranz, der immer mit 59 Perlen bestückt ist, eine Gebetshilfe darstellt, ähnlich wie ein Gebetbuch oder ein Gebetswürfel, und dass der rituelle Brauch bis ins Mittelalter zurückgeht: "Mit Hilfe des Rosenkranzes werden das Leben, Sterben und die Verherrlichung Jesu aus der Sicht Marias betrachtet. Er ist sozusagen ein Gebet einer Mutter für ihr Kind."
Nachdem alle gemeinsam einen Kreis aus kleinen Rosen gelegt haben, geht es mit dem Basteln los: Kastanien müssen mit einer dicken Nadel durchstochen werden, damit der an einem Draht befestigte Bindfaden hindurch gezogen werden kann. Nach zehn Kastanien kommt eine Holzperle, dann eine einzelne Kastanie, wieder eine Holzperle und zehn weitere Kastanien. Und am Schluss wird unten das kleine Holzkreuz angehängt. "Fertig", ruft Leonie als Erste und hält stolz ihren Rosenkranz in die Höhe und stellt fest: So einen in klein hat sie schon mal bei ihrer Oma gesehen. Carina ist jetzt sogar schon stolze Besitzerin zweier Exemplar.
"Einen kleinen habe ich schon von meinem Opa bekommen, denn der hatte vier." Gemeinsam mit ihren Betreuerinnen formulieren die Kinder so genannte "Gesetze", die das Rosenkranzgebet vorsieht. "Jesus, der uns immer beisteht", schlägt Alina vor, und Jonas meint: "Jesus, auf den Maria sich so gefreut hat." Im Anschluss geht es in die Kirche, wo die Gruppe den Rosenkranz zum ersten Mal in Auszügen betet.
"Das hat Spaß gemacht", sind sich alle Beteiligten einig. Sogar Daniel, der eigentlich nur gekommen war, "weil heute kein Fußballtraining ist", fand die ganze Aktion "gar nicht so schlecht." "Und wenn bei den Kindern ein kleines bisschen hängen bleibt, und sie sich später vielleicht daran erinnern, schon einmal etwas vom Rosenkranz gehört zu haben, dann ist unser Ziel bereits erreicht", stellt Sabine Terlau abschließend fest.
Einige Tage später, am Sonntag, werden die selbst gebastelten Rosenkränze im Rahmen eines feierlichen Familiengottesdienstes geweiht. Und Seelsorger Rainer Arens überreicht jedem der Jungen und Mädchen ein Gebets- und Malbüchlein mit dem Titel: "Rosenkranz für Kinder".
Text und Foto: Heiner Frerichmann in "Kirche+Leben", 13.11.02
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