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Die Klarissen in Senden



Ein Leben für andere



Klosterfürbitte
Der neu angelegte Friedhof des Klarissenklosters in Senden.

Senden. "Es ist ein Privileg, so leben zu können, wie wir es tun". Schwester Gertrud, seit einem Jahr Oberin des Sendener Klarissenkloster, weiß, wie nötig die Welt Stille und Gebetszeit, Schweigen und Hinhören hat. "Wir haben in unserer Klausur die Möglichkeit, Gott alles Bedrückende und Schwere hinzuhalten" – die Bitten der Menschen sind bei den Schwestern im Kloster St. Klara gut aufgehoben.

Schon seit 1952 leben die Klarissen in Senden: Ihr Orden selbst hat seit der Gründung im 17. Jahrhundert eine bewegte Geschichte mit Niederlassungen quer durch Europa hinter sich. Entscheidender Einschnitt war im Zweiten Weltkrieg die Vertreibung der Ordensfrauen aus Leitmeritz (damals Böhmen). Nach einigen Zwischenstationen fanden die Klarissen schließlich eine neue Heimat im münsterländischen Senden. "Noch immer lebt die Freude daran, dass in der St. Laurentius-Kirche ein Fenster mit dem Bild der Heiligen Klara, der Ordensgründerin, die Neuankömmlinge so tröstend willkommen hieß", erzählt Schwester Pia, die Stellvertreterin der Mutter Oberin. Aus dem Sendener Schloss zog die Gemeinschaft 1953 in das neu errichtete Kloster. Von hier aus entstanden weitere Niederlassungen etwa in Österreich, aber auch in Indonesien, etwa auf der Insel Sumatra.

Genn
Die Hausarbeit gehört zum täglichen Dienst der Klarissen

Standhafte Gerüchte

Natürlich kennen die Klarissen die standhaften Gerüchte rund um ihre Lebensform: "Nein, wir schlafen nicht in unseren Särgen, und nein, wir läuten auch nicht die Glocke, wenn wir nichts mehr zu essen haben", lächelt Schwester Gertrud. Aber: "Wir sind wirklich auf Spenden und Gönner für unseren Lebensunterhalt angewiesen." Mitschwester Veronika, die regelmäßig Almosen sammelt, könnte dazu so manche – und nicht immer nur gute – Erfahrung beisteuern. Aber Zuversicht und Gottvertrauen zeichnet die Gemeinschaft seit den Tagen der Gründung durch die Hl. Klara, einer Weggefährtin des Hl. Franziskus, aus.

Und so sind die Frauen gelassen, auch was die Zukunft des eigenen Ordens angeht. Vor gut 20 Jahren kam die letzte Novizin ins Sendener Kloster, etwa die Hälfte der Schwestern ist inzwischen über 70 Jahre alt, etliche sind pflegebedürftig und auch die Demenz macht vor den Mauern des Klosters keineswegs halt. "Wenn es an der Zeit ist, werden wir reagieren", haben die Frauen aus der Leitung durchaus im Blick, dass es Veränderungen geben muss und wird. "Jede von uns lebt ihre Berufung, so gut sie es kann", bringt es Schwester Pia auf den Punkt. Berufungen, da ist sie sich sicher, gebe es auch heute noch, sagt sie. "Aber immer weniger Menschen hören sie, denn in den Familien wird ja christliches Leben nicht mehr so intensiv vorgelebt".

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Oberin Schwester Gertrud (l.) und Schwester Pia in der Kapelle des Klosters.

Gebet gehört zum Tagesablauf

Deshalb freuen sich die Schwestern, wenn sie hin und wieder Gästen ihre Lebensform zeigen können. So etwa den Kommunionkindern, die regelmäßig an die Klostertür klopfen und – häufig in Begleitung neugieriger Erwachsener – nach dem Alltag in der Klausur fragen. Fünf Uhr Wecken, 5.30 Uhr das Morgengebet, anschließend um sieben Uhr die Hl. Messe. Nach dem Frühstück beginnt die Vormittags-Arbeitszeit in Haus und Garten – denn das Essen will vorbereitet, Zimmer und Flure gereinigt und der kleine Friedhof gepflegt sein. Weitere Gebetszeiten – dem Stundengebet der Kirche folgend – sind über den Tag verteilt, bis nach dem Nachtgebet um 19.30 Uhr das "große Stillschweigen" beginnt bis zum folgenden Morgen.

Viel Zeit, um Dialog mit Gott zu halten. Raum, ihm die Bitten der Kinder, der Nachbarn, jene aus dem Fürbitt-Kästchen in der Pfarrkirche, aber auch solche aus dem Mail-Eingang oder dem Briefkasten anzuvertrauen. "Im Jahr 2003 haben wir schon einmal Klosterfürbitten der Leser von kirchensite.de bekommen", erinnert sich Schwester Pia. Sie alle werden im gemeinsamen Gebet, aber auch in der persönlichen Zwiesprache der Schwestern mit Gott bedacht. Manche hängen an der Gebetstafel, "viele gehen einem zu Herzen", und oft gehe die erspürte Not auch unter die Haut. Aber genau dieses Mitleiden gehöre ja auch zur Aufgabe der Klarissen: "Es wäre doch der Tod der Kirche, wenn nicht mehr gebetet würde." Denn trotz der Klausur, trotz des freiwilligen Rückzugs in die Stille: "Wir leben hier für andere – das ist unsere Berufung."

Text und Fotos: Heike Hänscheid, 02.03.2009

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Kontakt:
Kloster St. Klara
Klosterstraße 16
48308 Senden
Telefon: 02597/364
Fax: 02597/930185

Liste der Gemeinschaften,
die bisher Klosterfürbitten ins Gebet genommen haben



 
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  Redaktion: Sandra Engels, kirchensite.de
letzte Änderung: 02.08.2010 08:29 Uhr
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