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Jona predigt in Ninive.
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Geistlicher Impuls
Unbarmherzigkeit gegen mich selbst
Ich möchte mit Ihnen über ein Wort nachdenken, dass in unserer Alltagssprache kaum noch vorkommt. Wenn überhaupt, kann man es in Predigten hören. Und da hat es oft einen moralisierenden Unterton: Ich meine die Barmherzigkeit.
Mit Barmherzigkeit verbinden viele arme und leidende Menschen, die unsere Zuwendung brauchen oder Menschen, mit deren Schwächen wir barmherzig umgehen sollen. Und manchmal denken wir bei Barmherzigkeit auch an uns selbst. Dann sagen wir zu uns: "Sei barmherzig mit dir und tu dir was Gutes." Was aber heißt das, ich solle mit mir selbst barmherzig sein?
Mir geht es nicht darum, dass Sie für sich etwas Gutes tun. Das hören Sie tausendmal am Tag – wenigstens in der Werbung. Mir geht es um etwas anderes. Ich glaube, dass es eine große Kunst ist, mit mir selbst barmherzig zu sein. Ich denke, Menschen sind viel unbarmherziger mit sich selbst, als wir das auf den ersten Blick vermuten würden.
Ein kleiner Test: Fällt es Ihnen leicht, sich selbst zu verzeihen? Ich meine nicht, etwas zu verdrängen und zu vergessen, sondern wirklich zu verzeihen? Können Sie sich gut verzeihen, eine falsche Entscheidung gefällt zu haben? Oder einen für sie wertvollen Gegenstand kaputt gemacht zu haben?
In solchen Situationen ärgere ich mich über mich selbst. Und der Ärger über mich selbst zeigt mir, dass ich mir noch nicht vergeben habe. Manche Menschen haben soviel Ärger über sich selbst angehäuft, dass man es Ihnen ansieht. Und diesen Ärger lassen sie mitunter sehr deutlich an anderen aus.
Ich glaube, wir neigen dazu, uns selbst die Vergebung zu verweigern. Das was Gott uns ohne Zögern anbietet, nämlich uns zu vergeben, wollen wir oft nicht.
Die Geschichte vom Propheten Jona erzählt davon. Jona bekommt den Auftrag, der Stadt Ninive Gottes Strafgericht anzukündigen. Er ahnt aber, dass Gott am Ende doch barmherzig sein wird, und diese Barmherzigkeit kann er nicht ausstehen. Um seinen Auftrag nicht ausführen zu müssen, will er sich am Ende der Welt verstecken. Gott aber bringt ihn mit sanfter Gewalt doch dazu, in Ninive zu predigen. Als sich die Leute auf seine Predigt hin – wie befürchtet - bekehren und Gott der Stadt verzeiht, ist Jona maßlos enttäuscht und möchte lieber sterben als zu akzeptieren, dass Gott barmherzig ist. Jona flieht vor der Barmherzigkeit. Er möchte lieber das strenge Gericht und die Vernichtung. Gehen wir nicht unbewusst mit uns selbst auch oft so um? Mir selbst wirklich zu verzeihen, das ist eine große Herausforderung. Das geht tiefer, als wenn ich mir mal etwas Gutes gönne.
Gott kann dabei eine wichtige Rolle haben. Wenn ich mir bewusst mache, dass er nicht auf meine Erfolge oder Misserfolge schaut, sondern darauf, dass ich mich annehme, wie er mich annimmt, dann ist es viel leichter, mit mir selbst barmherzig zu sein.
Wenn Sie eine kleine Anregung für diesen Tag möchten: Achten Sie heute mal auf Situationen, in denen Sie sich über sich selbst ärgern. Nehmen Sie diese Situationen als Einladung an, mit sich selbst barmherzig zu sein.
Die Unbarmherzigkeit mit mir selbst aufzuspüren, kann ein guter Weg sein, mit mir selbst Frieden zu schließen. Das hat Jesus seinen Jüngern oft gezeigt. Eine der schönsten Geschichten ist die von Jesus und der Ehebrecherin. Auf frischer Tat ertappt wird sie von einer aufgebrachten Menge zu Jesus gebracht. Die Menschen wollen, dass Jesus endlich Farbe bekennt. Für Ehebrecher ist im Gesetz schließlich die Steinigung vorgeschrieben. Jesus entlarvt den Ärger über die Ehebrecherin als Ärger der Menschen über sich selbst. Und er sagt ihnen: "Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Sie werden sehr nachdenklich und einer nach dem anderen geht. Sie merken, dass ihre Unbarmherzigkeit mit der Frau letztlich eine Unbarmherzigkeit mit ihnen selbst ist. Jesus hat sie zu einer größeren Barmherzigkeit gebracht, das möchte er auch bei uns.
Text: Norbert Köster / Foto: Archiv, 03.02.2009
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