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Zollitsch ermutigt die Kirche:



"Aufbruch, Dynamik und
Wachstum sind möglich"



Paulus
Während des Gottesdienstes war im Altarraum des Domes ein jahrhundertealtes, silbernes Kopfreliquiar des heiligen Paulus aus der Zeit um 1380 aufgestellt, das festlich geschmückt war und feierlich inzensiert wurde. - "Lassen wir uns von der Dynamik und Innovationskraft des Apostels Paulus anstecken", erklärte Erzbischof Zollitsch.

Bistum. Zu einem mutigen und kraftvollen Christentum hat Erzbischof Robert Zollitsch aufgerufen. "Ich glaube fest daran, dass Aufbruch, Dynamik und Wachstum möglich sind in unserer Kirche, hier im Bistum Münster und in unserem Land", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im münsterschen St.-Paulus-Dom bei der Feier des Festes "Pauli Bekehrung" (25.01.2009).

"Lassen wir uns von der Dynamik und Innovationskraft des Apostels Paulus anstecken", erklärte Zollitsch. Dessen Gottvertrauen ermutige, die aktuellen Herausforderungen nicht zu umgehen, sondern sie anzugehen. Die Zeitgenossen sollten spüren, "dass uns der gelebte Glaube wichtiger ist, als Sitzungen und Satzungen".

Ansprechend – einladend – offen – gastlich

Je mehr es den Gemeinden gelinge, ansprechende und einladende Gottesdienste zu gestalten, je mehr kirchliche Gruppen zu offenen und gastlichen Häusern würden, desto mehr werde das Interesse am Evangeliums wachsen, desto mehr Menschen wendeten sich Jesus Christus zu. "Diese Zuwendung und Hinkehr zu ihm findet seinen Höhepunkt in der Zusammenkunft hier am Altar, in der gemeinsamen Eucharistiefeier." Von Christus empfingen die Christen "die notwendige Umsicht und Besonnenheit, um blinden Aktionismus von missionarischer Pastoral unterscheiden zu können".

Auftrag der Kirche sei, allen Menschen zu dienen. "Seien wir kreativ und einfallsreich, wenn es um die Weitergabe des Glaubens geht. Gerade auch im Umgang mit den modernen Medien", betonte der Erzbischof. Er verwies auf das Internet, das die katholische Kirche in Deutschland künftig mehr nutzen wolle. "Wir wollen mit möglichst vielen, auch mit denen, die kaum Kontakt mit unserer Kirche haben, ins Gespräch kommen; wir wollen niederschwellige, aber hochwertige Angebote machen, um das Evangelium zu allen Menschen zu tragen."

Das Bild des Paulusdomes

Der St.-Paulus-Dom in Münster zeigt nach Auffassung des DBK-Vorsitzenden, was Kirche überhaupt und an und für sich sein darf und sein soll: Mitte und Zentrum sei der Altar, der für Christus stehe. Unweit davon sei die Astronomische Uhr zu finden. Dies mache deutlich, dass die Christen stets Zeit und Ewigkeit im Blick haben sollten. "Es gilt, um unser tragendes Fundament zu wissen und zugleich die Zeichen der Zeit zu erkennen", erläuterte Zollitsch.

Er warnte davor, sich vom Strudel der alltäglichen Verpflichtungen und vom Sog der Banalitäten mitreißen zu lassen. "Dann wird die Forderung erhoben, dass auch der Sonntag so sein soll wie die übrigen Tage, dass die ganze Woche nur noch aus Werktagen besteht." Dann werde nur noch gefragt, wie der Mensch und sein Handeln der Wirtschaft diene, und nicht mehr, wie die Wirtschaft dem Menschen zu dienen habe.

Nicht eine binnenkirchliche Kuschelecke

Mit Verweis auf den Erfolg der Aktion "Pro Reli" in Berlin zur Gleichstellung von Religions- und Ethikunterricht meinte Zollitsch: "Lassen wir uns von nichts und niemandem weiß machen, wir könnten ja doch nichts ändern in unserer Gesellschaft."

Weil die Christen dieser Welt etwas zu sagen hätten, dürften sie sich nicht verstecken oder in eine binnenkirchliche Kuschelecke zurückziehen. Die Verkündigung des Glaubens "hat immer dann an Überzeugungskraft verloren, wenn wir zu sehr versucht haben, an äußeren Formen und Gestalten festzuhalten, wenn wir die Verkündigung zu sehr an bestimmten gesellschaftlichen Schichten und Milieus ausgerichtet haben."

Zustände der fünfziger Jahre

Doch Strukturen und Äußerlichkeiten könnten und müssten sich wandeln, betonte Zollitsch. "Es ist doch faktisch so, dass für nicht wenige immer noch die kirchlichen Zustände der fünfziger Jahre als Ideal oder Bezugspunkt gelten, an denen auch heute noch Maß genommen wird. Paulus würde dem entgegenhalten: Vergangenheitsverklärung ist keine Kategorie des Christlichen."

Die Christen in der Diözese Münster sollten es ihrem Bistumspatron gleich tun, "auf Gottes Ruf zu hören und uns Jesus Christus zuzuwenden" und zugleich sensibel zu werden für die Gegenwart. Bekehrung zu Christus sei allerdings kein einmaliges Ereignis, sondern vielmehr ständig neue Gabe und Aufgabe.

Zahlreiche Bischöfe anwesend

Das feierliche Pontifikalamt, dem Zollitsch gemeinsam mit Diözesan-Adminstrator Weihbischof Franz-Josef Overbeck vorstand, war der Höhepunkt der Feiern zum Fest Pauli Bekehrung. Zahlreiche Bischöfe und Weihbischöfe vor allem aus den münsterschen Nachbarbistümern nahmen daran teil. So feierten der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, der aus dem Bistum Münster stammende frühere Apostolische Nuntius, Erzbischof Erwin Ender, sowie der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der ebenfalls aus der Diözese kommt, den Festgottesdienst mit.

Im Pontifikalamt sangen der Domchor und die Mädchenkantorei der Dommusik, begleitet vom Santini-Kammerorchester, unter der Leitung von Domkapellmeister Andreas Bollendorf die Messe in G-Dur von Franz Schubert.

Text: Norbert Göckener / Foto: Joachim Busch, 25.01.2009

Lesen Sie außerdem in "kirchensite.de":
- Dokumentiert: Predigt von Erzbischof Zollitsch
- Übersichtsseite: Heiliger Paulus



 
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  Redaktion: Petra Helmers, kirchensite.de
letzte Änderung: 26.01.2009 10:31 Uhr
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