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Geistlicher Impuls



Anregungen für die Anbetung



Anbetung


Ein Gedicht von Rose Ausländer mit dem Titel "Wintersonne" kann uns Anregung für Zeiten der Anbetung geben:

"In der Wintersonne
erwärmt sich dein Traum
die Welt sei eine
helle Seele

Vergiss dein Bett
lass deine
Gedanken tanzen

Jeder Augenblick
schenkt dir
Ewigkeit

Du siehst die
Berge das
himmelfarbne Meer
Wälder reden zu dir

Alles dir anvertraut
von der
Wintersonne"

In der Anbetung dürfen wir uns unter der Sonne Gottes wissen. Drei Worte können uns in besonderer Weise Anregung zur Besinnung und zum Gebet sein:

"Lass deine Gedanken tanzen": Bisweilen scheint es uns eher eine Zerstreuung zu sein, wenn unsere Gedanken hin und her tanzen. Wir empfinden es als hinderlich und störend, wenn wir uns schwer tun, unsere Gedanken zu sammeln und unsere Aufmerksamkeit auf Gott allein hinzulenken. Die Einladung "Lass deine Gedanken tanzen" kann uns helfen, aus einer allzu bemühten Anspannung frei zu werden. Warum sollen unsere Gedanken nicht tanzen und sich allem zuwenden, was unter der Sonne Gottes liegt? Es ist unsere Welt und seine Welt. Wenn unsere Gedanken in der Zeit der Anbetung in diese Welt hineingehen, sammeln wir diese Welt in uns durch unsere Gedanken vor Gott.

"Jeder Augenblick schenkt dir Ewigkeit": In der Anbetung dürfen wir uns vor dem ewigen Gott wissen. "Gottes Ewigkeit ist nicht einfachhin Zeitlosigkeit, Negation von Zeit, sondern Zeitmächtigkeit, die sich als Mitsein und Insein in der Zeit verwirklicht" (Joseph Ratzinger). Der Augenblick verschwindet nicht im Abgrund der Zeit. Unsere Zeit ruht in Gottes Hand und ist hineingehoben in seine Ewigkeit. "Jeder Augenblick schenkt dir Ewigkeit", auch der Augenblick, da wir uns in der Anbetung vor Gott wissen.

"Alles dir anvertraut von der Wintersonne": Alles, was unsere tanzenden Gedanken berühren, ist uns anvertraut von Gott. Wir tragen Verantwortung für das, was uns anvertraut ist. Dieser Verantwortung können wir uns in der Anbetung bewusst werden. Zugleich können wir das, was uns anvertraut ist, und vor allem die Menschen, die uns anvertraut sind, unsererseits dem allmächtigen und ewigen Gott anvertrauen.

Text: Bischof emeritus Reinhard Lettmann
(aus dem Buch: Reinhard Lettmann: Nardenöl und leere Hände
– Texte zur Besinnung – Einladung zum Lobpreis Gottes.
Verlag Butzon&Bercker, Kevelaer 2001)
Foto: Michael Bönte, 24.05.2008

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  Redaktion: Petra Helmers, kirchensite.de
letzte Änderung: 08.06.2011 10:23 Uhr
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