Zur StartseiteLoginSitemapE-Mail

  Mein Anliegen
  Haus der Seelsorge
  Impulse
    Bibelarbeiten
    Lettmann
    Silberberg
    Kirchenjahr
    Gebete und Bibeltexte
    Meditationen
    Verschiedene
  Urlaub für die Seele
  Heiligenkalender




kirchensite Im Brennpunkt
Genn
Felix Genn:
Neuer Bischof von Münster ...mehr

Impulse
Geistliches: Impulse zur Fastenzeit...mehr

Wichtiger Hinweis für die Nutzer des kirchensite.de-
Newstickers ...mehr

Bibelarbeiten
Bibelarbeiten: Gebete der Bibel ...mehr

Katechese
Katechese: Weitergabe des Glaubens ...mehr

Paulus
Paulus: Patron des Bistums ...mehr

Liudger
Gedenkjahr: Heiliger Liudger ...mehr

Benedikt XVI.:
Biographisches und Hintergründe ...mehr

Heiligenkalender: Vorbilder und Fürsprecher ...mehr

Reden, Fragen, Antworten finden:
Im "Haus der Seelsorge" hat man ein offenes Ohr für Sie. ...mehr

Lesen + Gewinnen:
Das wöchentliche Preisrätsel. ...mehr


Suchen
Im Blick
Klosterfürbitte
Technische Hilfe

kirchensitekirchensiteGeistlicher Impuls

Jesusspuren
Jesusspuren
 

Aus der Ferne



Sich zu Jesus durchfragen



Advent - wie immer? - Das Wahre im Falschen suchen? Sich wie die Weisen aus dem Osten zu Jesus durchfragen? Durch falsche Sentimentalität, öden Fernsehkitsch und auch frommes Süßholzgeraspel hindurch? Ernsthaft?

Aber wir haben seinen Stern doch längst aufgehen sehen und sind durch bibelkundige Sterndeuter bereits ortskundig. Warum sich noch auf den Weg machen?

Geht und forscht sorgfältig

Jesus ist zu gebrauchen. Für einige Schriftsteller von hohem Unterhaltungswert.

Ein Jesusbuch - kein Problem! Wenn ein Markt dafür da ist. Hier gilt: "Wahr" ist, was sich verkaufen lässt.

Journalisten und Politiker, Philosophen und Psychologen schreiben in der Regel nicht im Namen Jesu, sondern in ihrem eigenen Namen. Die Bibel ist für sie eine Fundgrube, die eigenen Ideen politisch, ökologisch, therapeutisch oder historisch zu unterfüttern. Sie suchen nicht den Jesus der Urkirche oder den Christus des Glaubens. Sie fragen sich nicht ernsthaft bis Betlehem durch, um an der Krippe niederzuknien und anzubeten.

Auch bei der Suche nach dem wahren Jesus gilt der alte Satz der Weisheit: "Gottesfurcht ist der Anfang der Erkenntnis." (Spr 1,7)

Büchern ist anzumerken, ob ihre Verfasser die Bibel nur als ein Stück Literatur betrachten, ob sie aus heidnischer Ferne schreiben oder gläubig ergriffen auf dem Weg zur Krippe sind und persönlich die Nähe Jesu suchen: "Ihr in der Nähe erkennt meine Kraft!" (Jes 33,13)

Schon die Magier aus dem Osten haben erfahren - so die Glaubenslegende -, wie schnell auch ernsthaft Interessierte an die falsche Adresse geraten können. Die aktuelle Version könnte lauten: den falschen Angeboten auf dem Büchermarkt erliegen.

Als ob es so gewesen wäre

Gläubige fragen nicht mehr: "Wo ist der neugeborene König der Juden?" Sie fragen: "Wie ist dieser in den heiligen Schriften zu finden? Wer ist der wirkliche Jesus durch alle Überlieferungsschichten hindurch und hinter allen Textsorten?

Carlo Martini, der ehemalige Mailänder Kardinal, ein ausgewiesener ("päpstlicher") Bibelexperte, ein tief gläubiger Mensch und glühender Kirchenmann, schreibt eindringlich über seinen Weg, eine überzeugende Antwort zu finden (in einem Sammelband des Herderverlages 1999: "Jesus").

Er teilt die Fragen jedes wachen Predigthörers: War das so, wie es da steht? Hat Jesus so gesprochen? Ist das Wunder so abgelaufen?

Prediger zitieren die Evangelien fast immer wörtlich, als ob es so gewesen wäre. Sie wissen aber, was jeder kleine Schüler schon früh im Unterricht lernt: Es sind verschiedene Textgestalten mit je eigenem Wahrheitsanspruch: Legenden, Erzählungen, Reden, Gleichnisse etc., die die Handschrift und Absicht ihrer Verfasser spiegeln. Was ist bloße Lehrrede? Welche Reden und Ereignisse sind ursprünglich? Wo sind wir dem Geiste Jesu am nächsten?

Carlo Martini schildert die Etappen seines wissenschaftlichen Weges mit der Bibel. Seine bisherigen - naiven - Vorstellungen  und gläubigen Annahmen werden schwer erschüttert. Die "historischen" Fundamente seines Glaubens wanken: Fast eine Ijobserfahrung. Alle bisherigen Sicherheiten entziehen sich vorübergehend.

Am Ziel
Am Ziel

Weniger dramatisch, weniger existenziell die meisten seiner Kollegen vom Fach - allgemeiner Konsens: Die Botschaft Jesu ist nicht über eine Faktensicherheit im Detail zu retten - trotz vieler orts-, zeit- oder landeskundlicher Bezüge. Wir wissen nicht, wie "es" im einzelnen gewesen ist. Durch die Traditionsschichten hindurch lässt sich nicht mehr ermitteln, was Jesus "druckreif" gesagt hat. Wir kennen "nur" und sehr facettenreich das Gesamt dieser Botschaft, den substanziellen Gehalt seines Lebens und Wirkens aus den Perspektiven der Verfasser und der sie tragenden gläubigen Gemeinden.

Die neue Klarheit

Was bleibt, wenn sich der "wirkliche Jesus" nur "von weitem, kaum oder nur unzulänglich historisch kritisch erreichen lässt?" (R. Schnackenburg)

Der Schmerz dieser Erkenntnis bleibt keinem bewussten Gläubigen erspart, es sei denn er beharrt fundamentalistisch auf den "Tatsachen" ("ich glaube das einfach!") oder flüchtet vorzeitig in das "Sicherheitsnetz" einer Gruppe - Kirche genannt.

Auch Carlo Martini ist dort gläubig verankert. Seine zahlreichen spirituellen Impulse zeigen den Grad seiner persönlichen Christusbeziehung.

Er weiß, dass die Gewissheit gläubigen Verstehens auf dem Wege der Nachfolge Jesu wächst und nur den "reinen Herzen" die "Schau der Gestalt " geschenkt wird.

Rein wissenschaftlich kommt niemand in Betlehem an, es sei denn ein himmlischer Stern leuchtet ihm voraus. Kritische Textanalyse ist notwendig und selbstverständlich, aber sie schafft Distanz. Sie führt nicht ins Heiligtum der Botschaft. Wir bleiben damit "in der Ferne." Wie die Jünger beim Kreuzigungsgeschehen bleiben wir "in einiger Entfernung stehen" (Lk 23,49) oder schauen wie die Jüngerinnen "von weitem" zu (Mt 27,55).

Carlo Martini hat sich dem Feuer der historischen Kritik gestellt wie kaum jemand seinesgleichen und wäre - wie Ijob - fast "geistlich" gestorben, wenn sich nicht am Ende eine neue Klarheit im Blick auf das Ganze der Evangelien eingestellt hätte.

Er erkannte, "dass es im Wissen um Jesus eine Zuverlässigkeit gab, über die man nicht hinweggehen konnte, dass die Gestalt Jesu nicht auf nebulöse oder unerreichbare Umrisse reduziert werden musste". Und: "Man muss zugestehen, dass die Daten so, wie sie vorliegen, genügen, um die Gestalt Jesu in einer Weise zu skizzieren, dass sie uns in der Tiefe unseres Bewusstseins herausfordert." (s.o.)

Wie die Leidensgeschichte Ijob am Ende zu einem tieferen Gottesglauben führte ("Jetzt aber hat mein Auge dich geschaut"), so empfand Martini die geistige Auseinandersetzung mit der Bibelkritik als eine reinigende Kraft, die zu einer intensiveren Christusbeziehung führte. Am Ende steht für ihn eine "neue Evidenz". Alles Kritische war nur ein Vorspiel zu einer tieferen Jesuserkenntnis. Er fühlte sich gesegnet wie Jakob, der erst nach der "dunklen Nacht" und dem "Kampf am Fluss" seine Ruhe fand, die des Herzens und des Geistes. Damit war sein Weg offen für eine geistliche Betrachtung der Schrift. Er ist tief in sie eingetaucht und kommt von der Quelle her, zitiert sie nicht nur: Ein betender Wissenschaftler, der eine Brücke schlägt zwischen Text und Leben, die Unterscheidung der Geister fördert und das Denken nach Gottes Art bewusst macht.

Sohn wie sonst keiner

Die sich zu Jesus durchfragen - immer wieder aus der Ferne kommend - werden auf seinen Weg gezogen und in seine Nähe. Schrittweise ahnen wir, dass die Gewissheiten der Urkirche in ihm selbst ihre Wurzeln haben. "Wir wissen", sagen die Gläubigen der Johannesbriefe erstaunlich oft. Wiedergeborene (s. Joh 3) und Bekehrte (s. Paulus) haben andere Erkenntnisquellen.

"Es ist ein großer Unterschied, ob jemand glaubt, dass Jesus der Christus ist, oder ob man an Christus glaubt." (Augustinus)

Die persönliche Beziehung zu ihm entscheidet darüber, ob wir Jesus vom Geheimnishintergrund seines Lebens, also von Gott her verstehen lernen, nicht ein besonderes Faktenwissen.

JESUS CHRISTUS
Sohn, wie sonst keiner, "sein Leben war das eines Menschen" (Phil 2,7), der
Mensch, der auf anderen Frequenzen hört und Welt, Mensch und Zukunft mit anderen Augen sieht als wir, der
Bruder, der "seine Herrlichkeit offenbart" (s. Joh 2), der
Freund, der seine Gefolgschaft hinter sich weist, bevollmächtigt und sendet, der
Herr, der einigen Auserwählten seine besondere Nähe gewährt und sie am Frieden seiner Gottverbundenheit teilhaben lässt, der
Heilige Gottes, der dem Geheimnisgrund der Welt näher ist als jeder andere, der "Quelle des Lebens".

 

Der Autor

Dr. Hermann-Josef Silberberg wurde 1939 in Köln geboren. Nach der Priesterweihe 1965 in Münster war er bis zum Herbst 1968 Kaplan sowie Religionslehrer und Mitarbeiter am Landeskrankenhaus in Lengerich. Danach wurde er Subsidiar in Recklinghausen St. Pius sowie Religionslehrer am Gymnasium. Von 1975 bis 2002 war er Fachleiter für Katholische Religion am Studienseminar in Bochum; zudem war er von 1995 bis 2002 Seelsorger im Benediktinerinnenkloster Maria Hamicolt in Dülmen-Rorup. - Silberberg ist Theologischer Berater des Online-Magazins "kirchensite".



 
Zurück zurück
zum Seitenanfang zum Seitenanfang
Artikel versenden Artikel versenden
Artikel drucken Artikel drucken
  Redaktion: Petra Helmers, kirchensite.de
letzte Änderung: 28.04.2011 11:06 Uhr
Home | Diözesanbibliothek | Aktuelles | Bistum Münster
Fragen + Glauben | Wann + Wo | Service + Dialog | Sitemap | Impressum