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Heiliger Valentin
Der Heilge Valentin wird
häufig mit einem kranken
Kind zu seinen Füßen abgebildet.
 

Der Heilige Valentin
schützt auch vor Epilepsie



"Fall-net-hin"



Von KNA-Redakteur
Christoph Renzikowski

Rosenheim. Dank der Werbekampagnen der Floristen steht der Valentinstag am Samstag heute weithin im Zeichen der Liebenden. Kaum noch bekannt ist, dass der Heilige seit dem Mittelalter als Schutzpatron gegen Epilepsie verehrt wird. Die "Fallsucht" wurde damals sogar als "Valentinsplage" bezeichnet. Gerhard Kluger, Kinderarzt in Vogtareuth bei Rosenheim, ist seit einigen Jahren in seiner Freizeit als Valentinsforscher unterwegs und hat dabei erstaunliche Entdeckungen gemacht.

"Valentinus" taucht in Heiligenregistern mehr als 30 Mal auf. Halbwegs verbürgt ist die Existenz mindestens zweier Heiliger dieses Namens. Der eine, Valentin von Rätien, ist einer der Bistumspatrone von Passau. Im dortigen Dom befindet sich seit dem achten Jahrhundert ein kleiner Reliquienschrein. Sein Gedenktag ist der 7. Januar. Der andere, Valentin von Terni, auf den der heutige Valentinstag zurückgeht, starb im dritten Jahrhundert als Märtyrer in Rom. Größere Reliquienschätze gibt es in Würzburg und in Kiedrich im Rheingau.

Beide Valentine werden oft mit einem kranken Kind zu ihren Füßen abgebildet. Kluger hat mit Kollegen einen bundesweiten "Sankt-Valentins-Arbeitskreis" gegründet. Er besitzt inzwischen mehr als 300 Darstellungen aus ganz Europa, vornehmlich aus Bayern. Zu ihrem Job als Fürsprecher kamen die Heiligen ohne eigenes Zutun. Ihr lateinischer Name, der eigentlich "der Starke, Gesunde" heißt, bot Anlass für Wortspiele. Weil das, was ähnlich
klingt, im Volksmund auch ähnliches bedeutet, wurde "Valentin – Fall net hin" zum Schutzpatron gegen die "fallende Krankheit".

Valentinsbräuche

Als Gegenmittel diente die Pflanze Beifuß, auch Valentinskraut genannt. Stoffmützen mit dem Abbild Sankt Valentins, die "Fraisenhäubchen", sollten Säuglinge vor fiebrigen Krämpfen schützen. "Fraisen" ist der im Alpenraum gebräuchliche Begriff für epileptische Anfälle, vor allem im Kleinkindalter. Wer einen Anfall erleidet, ist "in d' Froas g'falln". Von diesem Brauchtum haben sich jedoch nur noch Reste erhalten: So wird in Holzhausen bei Landshut jedes Jahr zum Valentinstag ein besonderes Brot gebacken, im Gottesdienst gesegnet und zum Schutz vor Krankheit verzehrt.

Kluger, der in einem Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche arbeitet, ist fasziniert, wie detailliert Künstler sich mit der Erkrankung beschäftigt haben. "Auf einigen Valentinsbildern kann man fast wie von einer Fotografie ablesen, aus welcher Hirnhälfte der Anfall gekommen ist", erzählt der Arzt. Und das Jahrhunderte, bevor das Krankheitsbild wissenschaftlich beschrieben wurde. "Die Künstler müssen selber epileptische Anfälle beobachtet haben." Das wäre nicht ungewöhnlich: Jeder 100. leidet an der Krankheit.

Böse Geister und "heilige Erkrankung"

Epilepsie wurde früher mit bösen Geistern in Verbindung gebracht; die alten Ägypter sprachen dagegen von der "Heiligen Erkrankung". Dem unheimlichen Phänomen begegneten die Menschen in grauer Vorzeit mit teilweise grotesken Empfehlungen, zum Beispiel, Wein aus Totenschädeln zu trinken. Heute weiß man, dass es sich um eine Erkrankung des Gehirns handelt, die sich laut Kluger in über 80 Prozent der Fälle völlig heilen lässt. Medikamente oder Nervenschrittmacher helfen, manchmal eine Operation.

Ist der Heilige als Fürsprecher überflüssig geworden? Der Arzt verneint: "Auch in der modernen Medizin ist wissenschaftlich belegt, dass Glaube für das Gesundsein wichtig ist."

Text und Foto: KNA  Katholische Nachrichtenagentur GmbH, 13.02.2004



 
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  Redaktion: Petra Helmers, kirchensite.de
letzte Änderung: 04.03.2004 08:16 Uhr
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