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Lebensräume des Menschen



Die sieben Gebote der zweiten Tafel des Dekalogs sprechen wichtige Lebensräume des Menschen an.

Gott hat den Menschen das Leben geschenkt. Er ist der Herr des Lebens. "Du sollst nicht töten." Dieses Gebot Gottes schützt das Leben.

Familie

Die Familie als eine Oase persönlicher Beziehungen.

Die Minderung des Rechtsschutzes für ungeborene Menschen in vielen Ländern auch Europas und die Diskussion um die Euthanasie, die Tötung kranker und behinderter Menschen, sind ein bedrohliches Zeichen, dass wir in Europa dabei sind, die Unverfügbarkeit und Unantastbarkeit des menschlichen Lebens preiszugeben.

Auch die irrsinnige Logik des Krieges bedroht das Leben der Menschen. Wir haben uns gefreut, dass das Gespenst des Vernichtungskrieges zwischen zwei entgegengesetzten ideologischen Blöcken von der Bühne der Welt abgetreten ist, doch immer wieder schlagen die vernichtenden Flammen schwerer lokaler Konflikte zum Himmel.

Die Gebote Gottes wollen für jeden Menschen einen Lebensraum und die Voraussetzungen zum Leben sichern. "Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut."

Die Güter der Erde sind für die ganze Menschheitsfamilie bestimmt und können nicht dem exklusiven Nutzen einer Minderheit vorbehalten sein. Äußerste Armut und Hunger sind eine große Bedrohung des Lebens. Armut und Elend setzen massive Auswanderungswellen in Gang in Richtung wohlhabenderer Länder. In diesen entstehen im Gegenzug Spannungen, die das soziale Gefüge erschüttern können. Wir erleben Anfänge davon in unserem Land. Es kommt zu Reaktionen fremdenfeindlicher Gewalt.

Es ist wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, um akuten Situationen zu begegnen: Maßnahmen gesetzlicher Art wie auch vor allem Maßnahmen menschlicher Hilfe. Darüber hinaus aber müssen wir versuchen, auf die Ursachen einzuwirken. Mit Hilfe neuer Formen der Solidarität zwischen den Nationen müssen Fortschritt und Entwicklung in den Herkunftsländern der Auswandererströme gefördert werden.

Die Gebote Gottes schützen die Würde des Menschen. "Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten."

Achten wir die Würde des Menschen im Umgang miteinander, im Reden übereinander? Auch im öffentlichen Reden miteinander und übereinander? Nicht selten scheint es, als setzten sich vor allem jene durch, die am besten die Kunst beherrschen, mit Verdächtigungen und Unterstellungen andere aus der Bahn zu bringen und in eine Ecke zu stellen. Es tut uns gut, ein Wort der indischen Weisheit zu beachten: "Möchten mich doch alle mit dem Auge des Freundes betrachten. Auch ich will alle mit dem Auge des Freundes betrachten. Möchten wir doch einander mit dem Auge des Freundes betrachten."

Der vierte Bereich, den die Gebote Gottes schützen, ist der Bereich der Ehe und Familie. "Du sollst Vater und Mutter ehren. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau."

In einer Welt, die immer mehr von Anonymität, Funktionieren müssen und Erbringen von Leistungen bestimmt ist, kann die Familie eine Oase persönlicher Beziehungen sein. In einer kälter werdenden Welt braucht der Mensch einen Ort menschlicher Wärme und Geborgenheit. Die Familie spannt ein Netz der Geborgenheit. Wenn die Familie zerfällt, müssen Gesellschaft und Staat ein soziales Netz spannen, das auf die Dauer unbezahlbar wird. Es lohnt sich deshalb, für die Familie zu investieren. Wer etwas für die Familie tut, tut etwas für die Zukunft. Die Familie hat Zukunft und gibt Zukunft.

Autor: Bischof Dr. Reinhard Lettmann, August 2003

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  Redaktion: Petra Helmers, kirchensite.de
letzte Änderung: 08.06.2011 10:23 Uhr
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