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Der Sonntag als Tag der Erinnerung
an die Auferstehung Jesu ist ein
Tag des Dankes und der Freude.
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Geistlicher Impuls:
Geschenk Gottes
für die Menschen
"Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht" (Ex 20,8–10).
Dieses dritte Gebot enthält gleichsam ein Geschenk Gottes an die Menschen. Gott schenkt uns den Sabbat als Tag der Ruhe, der Erholung und der Besinnung. Wir sollen diesen Tag als Geschenk Gottes annehmen. Der Sonntag, der den Sabbat in sich aufnimmt, ist eine der ältesten sozialen Errungenschaften aus religiöser Wurzel. Wir sollten alles daran setzen, ihn auch im Europa der Zukunft als Sonntag zu erhalten.
Wir Christen erinnern uns im Kirchenjahr der Ereignisse im Leben Jesu. Die Auferstehung Jesu Christi von den Toten ist jedoch so wichtig, dass wir uns jeden Sonntag ihrer erinnern, dass wir jeden Sonntag Ostern feiern. Mit dem Sonntag setzen wir ein Denkmal unseres Glaubens an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten in den Ablauf der Zeit hinein.
Der Sonntag als Tag der Erinnerung an die Auferstehung Jesu ist ein Tag des Dankes und der Freude. Mit seiner Auferstehung kommt unsere eigene Auferstehung in den Blick. Unser Glaubensbekenntnis gipfelt in der frohen Hoffnung: "Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt." Am Sonntag feiern wir unsere Hoffnung. Von ihm her fällt Licht in unsere Alltage hinein und erinnert uns an den Sinn unseres Lebens und sein Ziel.
Der Sonntag bringt gleichsam einen eschatologischen Vorbehalt in den Ablauf der Zeit. Das Leben des Alltags, das uns mit seinen Notwendigkeiten und Geschäften in Beschlag nimmt, ist nicht alles und nicht das Letzte. Dieses "mehr", auf das der Sonntag hinweist, wird aber nicht erst am Ende der Alltage deutlich. Der Sonntag als erster Tag der Woche, wie ihn der kirchliche Kalender kennt, spricht von vornherein eine Botschaft über Sinn und Wert des menschlichen Lebens in die Woche hinein.
Der bürgerliche Kalender beginnt seit einigen Jahren mit dem Montag, mit den Arbeitstagen. Ihnen folgt dann der Sonntag als Ruhetag, an dem wir uns erholen und neue Kraft schöpfen für die nächste Arbeitswoche. Aus dieser Anordnung des bürgerlichen Kalenders könnte man schließen, dass Arbeit und Leistung das Wichtigste im menschlichen Leben sei, da die Feier des Sonntags der Wiederherstellung der Arbeitskraft und der Leistungsfähigkeit dient.
Der Sonntag, den wir als ersten Tag der Woche feiern, sprengt dieses Schema. Er lässt von vornherein deutlich werden, dass der Mensch nicht von seiner Leistung her zu definieren ist. Wir dürfen uns des Lebens freuen, das Gott uns schenkt, deshalb feiern wir den Sonntag als Tag des Dankes und der Freude. Er hält über uns Menschen den Himmel und die Zukunft offen.
Unser Leben kann in Gefahr geraten, bei aller Geschäftigkeit des Alltags von innen her hohl zu werden und auseinanderzufallen, weil ihm die sammelnde und sinngebende Mitte fehlt. Der Sonntag kann uns helfen, unser Leben in der Mitte zu sammeln und seines Sinnes innezuwerden.
Der Sonntag kann dem Alltag Sinn geben. Wir brauchen den Sonntag um des Alltags willen. Wir brauchen den Sonntag um des Menschen willen.
Autor: Bischof Dr. Reinhard Lettmann, August 2003
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